TierARTen: wie viele geh’n auf eine Kuhhaut?
Sieben KünstlerInnen von Kunst im Kontakt e.V. erarbeiten mit Kindern und Lehrern der Hans-Fallada-Schule in Neukölln während des Schuljahres 2008/2009 ein spartenübergreifendes, prozessorientiertes Projekt zum Thema "TierARTen". An dieser unterrichtsbegleitenden Wahrnehmungsschulung nehmen Kinder der 3. - 6. Klasse der Grundschule sowie der 4. - 10. Klasse des Förderzentrums teil.
In interdisziplinären Workshops wird das Thema „TierARTen“ auf spielerische Weise in kreativer Selbstorganisation untersucht. Der Schwerpunkt der einzelnen Workshops liegt auf dem unterschiedlichen Einsatz von Material und den damit verbundenen visuellen, auditiven und haptischen Sinnesreizen.
Die Workshops auf einen Blick:
Unser Kunstsparten übergreifendes Projekt möchte die Kinder zu künstlerischen Prozessen sowie kreativen, experimentellen Lernerfahrungen mit allen Sinnen anregen und in dem geschützten Freiraum der Schule kreative Selbstorganisation, selbständiges Handeln und die Lust am Experimentieren fördern. Durch die Einbeziehung neuer Medien in das Projekt wird die Medienkompetenz der Kinder erweitert und werden neue Sichtweisen gefördert.
Ausstellung
Vom 28. – 30. April 2009 zeigen wir Arbeitsergebnisse aus den Workshops im Mehrzweckraum der Hans-Fallada-Schule.
Teilnahme „48-Stunden-Neukölln“
Die Ausweitung des Projektes in den lokalen öffentlichen Raum vom 26. – 28. Juni 2009 bewirkt Generationen- und Bildungsschichten übergreifenden interkulturellen Kontakt und Austausch.
Trickfilm-Workshop “Lokomotive - wie Bilder laufen lernen”
Nicole Degenhardt
Im Workshop “Lokomotive” bringen Kinder der 4. Klasse Bilder zum Laufen und erstellen kleine Animationsfilme. Nach einer Einführung in das Thema Trickfilm mit verschiedenen Beispielen, kommen wir zu den technischen Grundlagen. Die Kinder lernen das Prinzip der Reihung von einzelnen Filmbildern durch den Bau eines Daumenkinos kennen. Wir animieren die Bewegungen eines laufenden Hundes und einer schwimmenden Robbe. Beim Anwenden des Daumenkinos nehmen wir die Bilder nicht mehr einzeln wahr, stattdessen erscheinen nun die Tiere in Bewegung.
Als nächstes wird ein Tricktisch mit Licht, Kamera auf Stativ und Kontrollmonitor eingerichtet und erklärt. Praktisch setzen wir mit diesem zweidimensionalen Trickverfahren den Phasen-Mal-Trick fort: Die Kinder malen nacheinander am Tisch eine Geschichte auf. Jede Phase wird aufgenommen, später wird die Aufnahme im Schnellmodus gezeigt und ausgewertet.
Ein Zwischenschritt vom 2D- zum 3D-Trick ist der Streu-Trick. Man kann mit Sand zeichnen und diesen reliefartig modellieren, damit schreiben oder eine Figur entstehen lassen. Aus dieser Vorübung folgt die Vorstellung des Lege-Tricks mit Objekten, auf Englisch "cut out animation“, also „Ausschneide-Trick" was auf die Herstellungstechnik hinweist: Zuerst werden Tier-Figuren auf Pappe gemalt, ausgeschnitten und in Einzelteile zerlegt. In jeder Szene wird die Lege-Figur etwas verschoben, gefilmt und wieder verschoben.
Je komplexer die Aufnahmen werden, desto wichtiger wird die Planung des Drehvorhabens. Wir beginnen, eine Tier-Geschichte zu schreiben und ein Storyboard dafür zu zeichnen. Danach werden die Figuren und Objekte der Story in Plastilin modelliert. Die Kinder machen eigene Erfahrungen mit den Begriffen „Schärfe/Unschärfe“, „Vordergrund – Hintergrund – Relationen“ und dem bewussten Einsatz von Licht- und Schattenwirkungen im Bild.
Höhepunkt und Abschluss des Workshops ist der Stopp-Trick mit den Schülern als Darstellern. Die Kamera nimmt eine Handlung auf und stoppt. Außerhalb der Aufnahme wird eine Veränderung herbeigeführt und dann weitergefilmt. Der Zuschauer bemerkt nur, wie sich auf wunderbare Weise die Realität plötzlich verändert.
Bilder zum Trickfilm-Workshop
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Objektbau-Workshop: Ein Schaf kommt selten allein
Simone Orb
In diesem Skulpturenworkshop beschäftigen sich Schüler der 4. – 9. Klasse spielerisch mit dem Thema Herdentiere und fertigen in verschiedenen Arbeitsschritten eine Schafherde an, wobei jede Tierskulptur - trotz aller Ähnlichkeit - einen eigenen individuellen Ausdruck trägt.
Bei der plastischen Gestaltung kommen so unterschiedliche Materialien wie Holz, Draht, Kleister, Kartonage/Papier und Gips zum Einsatz, die jeweils eine eigene handwerkliche Verarbeitung erfordern.
Zu Beginn werden stabile Holz-Rahmen gebaut, die im weiteren Aufbau zusammen mit anderen Werkstoffen immer detaillierter den Tierkörper abbilden. Je weiter die Ausgestaltung erfolgt, desto stärker identifiziert sich das Kind mit „seinem“ persönlichen Schaf.
Nach der plastischen Fertigstellung werden die einzelnen Tierformen wetterfest gemacht und mit einer schützenden Farbschicht überzogen. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Ausflug von Schaf und Erschaffer an unterschiedliche Orte Neuköllns, bevor die Tierobjekte auf dem Schulgelände aufgestellt werden.
Bilder zum Objektbau-Workshop
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Klangkunst-Workshop
Knut Remond
Der Workshop für Jugendliche der 9. und 10. Klasse ist ein Einstieg in die elektroakustische Klangkunst. Mit akustischen und elektronischen Klängen, mit Tonbandaufnahmen von Stimmen und mit akustischen Instrumenten werden "Samples" und "Soundfiles" hergestellt: ein Mix aus serbischromadeutschkroatischneuköllner Stimmen und Texten mit unterschiedlichen Geräuschmixturen.
Die Jugendlichen bekommen abwechselnd für jeweils eine Woche ein digitales Aufnahmegerät. Damit können sie zu Hause und in ihrer Umgebung, also Orten wie der Schule oder der U-Bahn, an Lebenspunkten, wo sie sich treffen und aufhalten, Tonaufnahmen machen. Mit diesen Tonaufnahmen erstellt jeder einzelne sein eigenes Geräuscharchiv, das wir zu einer Klangcollage, Geräuschskulptur oder Klanginstallation zusammensetzen werden.
Wir erfinden die Stimmen von Käfern, Regenwürmern, Vögeln, Fischen, Fröschen, aber auch von noch unentdeckten Tieren oder solchen, die erst in 2000 Jahren leben werden.
Wir versuchen, mit unterschiedlichsten akustischen Gegenständen in den Geräuschekosmos einzutauchen, aber auch herauszufinden und zu erforschen, ob zum Beispiel (noch unbekannte) Käfer bestimmte akustische Signale von sich geben, die eine bestimmte Bedeutung in der Welt der Jugendlichen haben, wie zum Beispiel Lebenslust, Hunger, Müdigkeit, Gefahr, verliebt sein, reisen und Feste feiern.
Mit unseren Geräusch-Klang-Experimenten sind wir mit den anderen Gruppen des Projektes "TierARTen" vernetzt, um unsere Klangkunstwerke oder Geräuscharchive in einen direkten Austausch mit den anderen Medien zu stellen.
Bilder zum Klangkunst-Workshop
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Geschichten-Workshop
Franz Kipphardt
In einem Geschichtenworkshop entwickeln Kinder der 5. und 6. Klasse, im Alter von 11-13 Jahren, verschiedene literarische Texte (vom Gedicht bis hin zur Fabel) rund um das Thema Tier und bekommen dabei einen ersten Einblick in das Schreibhandwerk.
Die erste Kursphase dient dem gemeinsamen Kennen lernen der Gruppe. Schreibübungen mit spielerischem Charakter werden erprobt, um so Ängste und Hemmungen zu überwinden. Der Spaß und das Schreiben in der Gruppe stehen hierbei im Vordergrund. Schreiben soll nicht als lästige Pflicht, sondern als Spaß machender, schöpferischer Akt erlebt werden.
Im nächsten Schritt werden die Kinder mit dem kreativen Handwerkszeug vertraut gemacht, so z.B. mit der Technik des Brainstormings und der Clusterbildung, die die eigenen Geschichten in Zukunft bereichern helfen sollen. Parallel zum Schreiben eigener (Tier-)Geschichten werden den Kindern einfache Erzähltechniken vorgestellt. Was hilft beim Schreiben? Wie erzähle ich anschaulich und anregend?
Schritt für Schritt werden die Geschichten im Kursverlauf umfangreicher und komplexer. So lernen die Kinder den Aufbau und die Funktion einer Fabel kennen, um im Anschluss eigene Tierfabeln zu entwickeln. Darüber hinaus werden den Kindern aber auch die Notwendigkeit und das Verfahren der Überarbeitung ihrer Texte verständlich gemacht. Neuformulieren, umschreiben, kürzen. Es ist noch kein Autor vom Himmel gefallen.
Am Ende des Workshops und als bleibende Erinnerung werden die entstandenen Geschichten in einem selbst hergestellten und illustrierten Buch veröffentlicht.
Bilder zum Geschichten-Workshop
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Comic-Workshop „Animalix“
Imke Trostbach
Innerhalb des Projektes „Animalix“ entwerfen Schüler der 5. Klasse einen Comic-Charakter, der aus dem Tierreich oder der Fabelwelt stammen soll.
Dieser wird in unterschiedlichen Techniken wie zum Beispiel einer Federzeichnung, einem Entwurf in Blei- oder Buntstift, Pastellkreide oder Acrylfarbe auf A3-A2-formatigen Papieren oder Leinwand-Pappen ausgeführt und anschließend in dreidimensionaler Form umgesetzt. Dieser Arbeitsschritt geschieht mit Modelliermasse oder Pappmaché.
Dem Charakter werden bestimmte Wesenzüge zugeordnet, die entweder mit dem Tier landläufig assoziiert werden oder auch frei erfunden sein können. Hat der Charakter eine Mission? Ist er listig oder arglos? Stiftet er Ärger oder will er lieber seine Ruhe haben? Gehört er zu den Guten oder Bösen? Ist er ein Superheld mit ungewöhnlichen Kräften und besonderen Fähigkeiten? Bringt er andere zum Lachen oder ist er eher maulfaul?
Nachdem der Tier/Fabel-Charakter entworfen ist, treten die Tierfiguren innerhalb eines Comic-Strips in Aktion. Dazu wird eine kurze Geschichte skizziert und anschließend auf geeignetem Papier in Schwarz-Weiß oder Farbe umgesetzt. Die Schüler werden auf diese Weise altersgemäß und spielerisch mit dem Einsatz und der Funktion von Panels, Sprechblasen, Farben und Erzähldramaturgie vertraut gemacht.
Bilder zum Comic-Workshop
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Design-Workshop: „Urbanski – tierischer Wohnungsbau“
Regina Bilger und Nicole Degenhardt
Es ist ein spannendes und lehrreiches Erlebnis, Vögel aus der Nähe zu beobachten. Wohlgestaltete Nistkästen bieten Schülern der 6. Klasse Gelegenheit, Brutstellen und Regenschutze für Vögel auf dem Schulhof zu schaffen.
Sie lernen auf diese Weise Vögel als Stadtbewohner kennen und erfahren etwas über ihre Verhaltensweisen, ihre Bewegungsmuster, ihren Körperbau und ihre Anpassung an den urbanen Lebensraum. Die direkte Beobachtung von Tieren in der städtischen Umgebung sensibilisiert zum eigenen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur.
Im Monat April sind die meisten Zugvögel von ihrer langen Flugreise wieder zurück. Viele heimische Vogelarten, die im Frühling bei uns nisten und brüten, haben den Winter über in wärmeren Ländern verbracht. Mit den Schülern wird auf dem Schulhof nach vorhandenen und geeigneten Nistplätzen gesucht. Die gesichteten Vögel werden bestimmt. Danach wird eine Art Steckbrief pro Vogelart angefertigt, ähnlich den Anforderungen eines Bauherrn an den Architekten.
Es entstehen erste Entwürfe für Nistmöbel. Dabei geht es um gewitzte Neuinterpretationen von architektonischen Vorbildern der Hauptstadt, wie der „Schwangeren Auster“, dem Brandenburger Tor und dem Fernsehturm. Die Kinder recherchieren die Anforderungen der Vögel an eine solche Behausung und dürfen wählen, welche Vogelart - je nach Größe des Eingangslochs - Einzug halten soll.
Bilder zum Design-Workshop
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Bewegungs-Workshop „Alles, was kreucht“
Tamara Rettenmund
Im Bewegungs-Workshop „Alles was kreucht“, setzen sich Kinder der 3. Klasse mit der Welt der Insekten auseinander. Sie erfahren, dass Spinnen acht Beine haben und es Käfer mit Geweih und Rüssel gibt. Allerlei Fortbewegungsarten werden untersucht und dann umgesetzt.
Wir rollen, robben, kriechen, kugeln, hüpfen und springen durch den Raum und entwickeln gemeinsam Choreographien. Diese ordnen wir in einem Score (Bewegungsnotation) räumlich an und machen sie so beliebig wiederholbar. Parallel dazu sehen wir uns Tanzperformances auf DVD an und vergleichen z.B. Shakiras Bewegungsmaterial mit dem berühmter zeitgenössischer Tanzkompanien.
Frei nach der Erzählung „Der Käfer Fred“ (V. Ballhaus, A. Maar) arbeiten wir an kleinen Geschichten und Tanzimprovisationen zum Thema Ausgrenzung. Einander zuschauen können, einen wertfreien sozialen Umgang miteinander zu pflegen, ist eine wichtige Arbeitsgrundlage. Die Kinder lernen, dass es in diesem Workshop kein „falsch“ oder „richtig“ gibt. Dies gibt ihnen die Sicherheit, sich im experimentellen Umgang mit neuen Bewegungsarten gemeinsam auszuprobieren und den Anderen angstfrei zu zeigen.
Auf dieser Basis arbeiten wir an einer etwas längeren Bewegungschoreographie. Jedes Kind überlegt sich, welches Fantasie-Insekt es gerne sein möchte und fertigt dazu einen persönlichen Steckbrief an: Welche Eigenschaften kennzeichnen das Insekt, wie bewegt es sich, was isst es, wo wohnt es und was braucht es daraus folgend für ein Kostüm?
Bilder zum Bewegungs-Workshop
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Dieses Projekt wird gefördert von: